Biodiversität: Wofür steht dieser Begriff?

Es ist ein Begriff, der in den letzten Jahren immer stärker in den Medien vertreten war, doch von dem keiner so genau wusste, was er denn zu bedeuten hat: Biodiversität. Nun muss man gleich zu Beginn festhalten, dass eine genaue Definition dieses Begriffes auch nicht zu 100 Prozent möglich ist, da verschiedene Interessensgruppen wie Politik, Wissenschaft und Wirtschaft die biologische Vielfalt jeweils etwas anders verstehen. Grundsätzlich ist Biodiversität aber ein relativ junger Begriff für etwas sehr, sehr altes: Die Vielfalt an Leben auf unserem Planeten. Der Begriff setzt sich aus dem griechischen Wort „bios“ (=Leben) und dem lateinischen Begriff „diversitas“ (=Verschiedenheit) zusammen. Er steht in erster Linie dafür, dass es unsere Aufgabe ist, in einer schnelllebigen Welt dafür zu sorgen, dass unter anderem Ökosysteme überleben. Die Erhaltung und die Nutzung von biologischer Vielfalt ist dabei auch für uns Menschen selbst wichtig. So wird heutzutage als größte Gefahr für die Biodiversität auf diesem Planeten angesehen, dass systematisch Lebensräume und Ökosysteme zerstört bzw. zerstückelt werden.

Der Begriff „biological diversity“, wie er auf Englisch heißt, wurde bereits im Jahr 1986 das erste Mal vom US National Research Council in den Mund genommen und schließlich offiziell als „BioDiversity“ abgekürzt. Biodiversität ist also zum einen einfach eine wissenschaftliche Tatsache. Auf der anderen Seite aber auch eine Wertevorstellung, die nicht nur durch wissenschaftliche, sondern auch durch politische, ökonomische und soziale Interessen definiert wird. Das ist einer der Hauptgründe dafür, weshalb verschiedene Interpretationen dieses Begriffs immer wieder für Verwirrung sorgen. Nun gab es bereits vor Jahren Diskussionen zwischen den großen Ländern dieser Welt, wie gesichert werden kann, dass die biologische Vielfalt auch nachhaltig erhalten werden kann. Daher kam es am 05. Juni 1992 in Rio de Janeiro (Brasilien) zu einem Treffen von Vertretern von 192 Ländern, welche gemeinsam eine Konvention, also ein Abkommen, zur Biodiversität trafen. Laut dieser UN-Biodiversitätskonvention, die auch häufiger einfach CBD (Convention on Biological Diversity) abgekürzt wird, wird der Begriff wie folgt definiert:

„Variabilität unter lebenden Organismen jeglicher Herkunft, darunter Land-, Meeres- und sonstige aquatische Ökosysteme und die ökologischen Komplexe, zu denen sie gehören. Dies umfasst die Vielfalt innerhalb der Arten (genetische Vielfalt) und zwischen den Arten (Artenvielfalt) und die Vielfalt der Ökosysteme (und entsprechend der Interaktionen darin).“

In den folgenden Punkten wollen wir auf die einzelnen Aspekte eingehen, welche diese Definition und die Konvention an sich mit sich bringen, und diese kurz erklären.

Die UN-Biodiversitätskonvention: Was gibt es zu wissen?

Die UN-Biodiversitätskonvention ist ein internationales Umweltabkommen, welches offiziell am 29. Dezember 1993 in Kraft getreten ist. Das Übereinkommen ist in sechs verschiedenen Sprachen definiert, unter anderem in Englisch, Spanisch und Russisch. Das im Jahr 2000 beschlossene Cartagena-Protokoll und das 2014 verabschiedete Nagoya-Protokoll sorgen dafür, dass die Konvention schlussendlich auch umgesetzt wird. Insgesamt 193 Länder setzten am Ende ihre Unterschrift unter das Abkommen, deren Organe bis heute in Montreal (Kanada) sitzen. Im Folgenden wollen wir auf die Inhalte dieser Konvention genauer eingehen und herausstellen, was der Begriff Biodiversität demnach alles umfasst und welche Ziele erreicht werden sollen.

Drei Ebenen der Biodiversität

Laut obiger Definition der UN-Biodiversitätskonvention verbinden sich mit diesem Namen drei Ebenen der Vielfalt, welche ineinander greifen und vom Begriff der biologischen Vielfalt umfasst werden. Dazu gehören:

  • Genetische Vielfalt: Die individuellen Eigenschaften eines jeden Lebewesens sind durch die unterschiedlichen Varianten seiner Gene (man spricht von sog. „Allele“) und deren Kombination definiert. So legen die Gene quasi fest, zu welcher Art das betreffende Lebewesen gehört. Es werden aber auch spezifische Eigenschaften dadurch vorgegeben, die das Individuum vom Rest seiner Art unterscheidet.
  • Artenvielfalt: Eine Gruppe von Lebewesen, welche miteinander fruchtbare Nachkommen zeugen können (= Fortpflanzungsgemeinschaft), wird im Allgemeinen als Art bezeichnet. Derzeit gibt es geschätzt 1,8 Millionen Arten auf der Welt, alleine in Deutschland kommen knapp 45.000 mehrzellige Tierarten und ungefähr zusätzliche 4.000 Pflanzenarten vor. Die Artenvielfalt wird in der Öffentlichkeit häufig als Synonym zur Biodiversität gesehen, da man diese Vielfalt der Öffentlichkeit am einfachsten erklären kann.
  • Ökosystemvielfalt: Indem wir den Begriff „Ökosystem“ nutzen, abstrahieren wir das ökologische Wirkungsgefüge und betrachten es eher modellhaft. Unter diesem Begriff versteht man die Wechselwirkungen von Organismen untereinander und mit ihrer nicht-belebten Umwelt (Biotop) in einem bestimmten Raum. Schlussendlich beeinflussen sich alle Ökosysteme auf diesem Planeten gegenseitig, häufig etwa durch den globalen Luft- oder Wasserkreislauf.

Bitte beachten Sie: Das UN-Abkommen zur biologischen Vielfalt darf in keinem Fall als reines „Artenschutz-Abkommen“ abgestempelt werden. Die Konvention beinhaltet nämlich zudem den „nachhaltigen Nutzen“ dieser Vielfalt und den „Vorteilsausgleich“ zwischen demjenigen, der die biologische Vielfalt nutzt und dem, der sie für diese Nutzung erhält. Genau diese zwei Punkte sind das Spezielle an diesem Abkommen.

Ökosystemdienstleistungen

Ein weiterer Punkt, mit welchem sich die Konvention beschäftigt, sind die Dienstleistungen des Ökosystems. Darunter versteht man diejenigen Dienste und Produkte, die in einem Ökosystem geleistet bzw. hergestellt werden und die dem Menschen nützlich sind. Man kann sie in vier grundsätzliche Kategorien aufteilen, welche Sie folgender Tabelle entnehmen können:

Versorgungsleistungen Regulierungsleistungen Kulturelle Leistungen Unterstützende Leistungen
Darunter versteht man die grundsätzlichen Dinge wie Nahrung, Arzneimittel oder Rohstoffe, die wir Menschen für quasi alles in unserer heutigen Welt nutzen. Das sind Prozesse, welche etwa Schadstoffe aus Luft oder Wasser filtern oder das Klima regulieren. Auch der Schutz vor Hochwasser, etwa durch Auen, gehört unter anderem zu dieser Kategorie. Diese Leistungen umfassen bestimmte Werte wie Spiritualität, Erholung oder Heimatverbundenheit. Dass ein Mensch Ruhe und Erholung in der Natur findet, ist ein essenzieller Faktor für unsere Gesundheit und das Wohlbefinden. Dieser Begriff umfasst alle Prozesse, welche die drei anderen Leistungen überhaupt möglich machen. Dazu zählen unter anderem die Photosynthese oder allgemein Nährstoffkreisläufe.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Ökosystemdienstleistungen die Entwicklung des Menschen überhaupt erst ermöglicht und zu der kulturellen Diversität geführt haben, welche wir heute haben.

Die Ziele des Abkommens

Natürlich wurde während der Verabschiedung des Abkommens auch über Ziele diskutiert. Am Ende einigten sich die Länder auf folgende Ziele der „Biodiv-Konvention“, wie sie Insider nur noch nennen:

  • 1. Der Erhalt der biologischen Vielfalt
  • 2. Die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt
  • 3. Der gerechte Vorteilsausgleich aus der Nutzung der biologischen Vielfalt

Auch Deutschland hat diese Konvention im Juni 1992 unterschrieben und ist damit verpflichtet, deren Ziele möglichst rasch zu erreichen. Davon sind wir aktuell leider noch deutlich entfernt.

Zentrale Themen und nationale Umsetzung

Korallenwelt als Beispiel biologischer VielfaltIn verschiedenen Vertragsstaatenkonferenzen wurde die Erstellung von thematischen Arbeitsprogrammen und Querschnittsthemen beschlossen. Diese Themen an dieser Stelle alle zu erklären, würde den Rahmen allerdings eindeutig sprengen. Dennoch wollen wir zumindest eine kleine Übersicht bieten, welche Themen aktuell behandelt werden:

  • 1. Agrobiodiversität und Biokraftstoffe
  • 2. Biodiversität von Bergregionen
  • 3. Biodiversität der Binnengewässer
  • 4. Biodiversität von Wäldern
  • 5. Biodiversität von Küsten und Meeren
  • 6. Invasive, gebietsfremde Arten
  • 7. Schutzgebiete
  • 8. Tourismus und Biodiversität
  • 9. Wirtschaft und Handel

Diese Übersicht ist nur einer kleiner Teil der wichtigen Themen, die behandelt werden. Alles rund um alle Themen und wie diese umgesetzt werden sollen, können Sie auch der offiziellen Internetseite der Konvention entnehmen. Folgen Sie dafür ganz einfach diesem Link: https://www.cbd.int/

Clearing House Machanismus

Clearing-House kommt aus dem Englischen und steht eigentlich für eine Verrechnungsstelle von Banken, die für den Austausch und die Verrechnung von Schecks und Rechnungen zuständig ist. In der heutigen zeit bedeutet der Begriff Clearing-House aber weitaus mehr. Er wird als Beschreibung jeglicher Art von Einrichten verwendet, die als Güter-Umschlagplatz, Dienstleistungs-Umschlagplatz oder Informations-Austausch-Umschlagplatz dienen. Der Clearing House Mechanismus ist daher in Modell, welches praktisch angewandt wird für Informations- Kommunikations- und Kooperationssysteme. In der Entwicklung und im Naturschutz wird der Clearing House Mechanismus überwiegend angewandt. Er vernetzt diverse Akteure miteinander. Mitte der 90er Jahr setzte sich die Entwicklung des Clearing House Mechanismus durch und diente vor allem vielen kleineren Gruppen vor Ort um die nötigen Informationen zu erhalten.

Die Bundesregierung hat bereits im November 2007 beschlossen, die unter Federführung des Bundesumweltministeriums erarbeitete nationale Strategie zur biologischen Vielfalt umzusetzen. Damit verfügt man in Deutschland über eine Strategie, wie die wichtigen Themen der UN-Biodiversitätskonvention implementiert werden sollen. Weitere Informationen zur nationalen Umsetzung finden Sie auch auf der Website des Bundesumweltministeriums unter http://www.bmub.bund.de/.

Die Zukunft: Internationale Dekade der Biodiversität

Wirft man den Blick in die Zukunft, kommt natürlich die Frage auf, was denn der einzelne dafür tun kann, dass die biologische Vielfalt erhalten bleibt. Dabei sollten für uns Menschen eigentlich schlichtweg Respekt und Achtung vor dem Leben – vor der Vielfältigkeit des Lebens – Grund genug sein, dementsprechend sorgsam damit umzugehen. Denn zusätzlich ist die Biodiversität von unfassbarem Wert für den Menschen, schlussendlich deshalb, weil der Mensch selbst Teil dieser Vielfalt ist und ohne sie gar nicht wäre, und ohne sie nicht weiter existieren kann. Daher sollte es der Anspruch eines jeden Menschen in diesem Land und auf dem Planeten sein, so zu leben, dass keine Ökosysteme bedroht oder Tierarten ausgerottet werden. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Im Nachhinnein muss man leider zugeben, dass die Ziele, welche sich die Länder der Welt, unter anderem auch Deutschland, zwischen den Jahren 2006 und 2010 gesetzt haben, großteils verpasst wurden. Aufgrund dessen beschlossen die Vereinten Nationen am 22. Dezember 2010, eine internationale Dekade der Biodiversität auszurufen. Anlässlich dessen sollen weitere Initiativen gestartet werden, um das gesellschaftliche Bewusstsein für den Wert der biologischen Vielfalt und die Verantwortung für ihren Schutz und die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile zu fördern. Denn jetzt ist die Zeit gekommen, wo jeder Einzelne auch an die Zukunft dieses Planeten denken muss.