HTML Document Biodiversität und Klimawandel

Release date 11/04/2005
Contributor freibergh

Einleitung

Unter Klimawandel versteht man längerfristige Veränderungen der durchschnittlichen Klimawerte oder der Wechselhaftigkeit des Klimas, die im Normalfall über Jahrzehnte oder Jahrhunderte anhalten. Die Klimadaten für das vergangene Jahrhundert lassen einen Klimawandel in Form einer weltweiten Erwärmung erkennen, der unter anderem auch durch den aus zahlreichen Gebirgsregionen belegten Rückzug der Gletscher bestätigt wird. Ein großer Teil der wissenschaftlichen Erkenntnisse deutet darauf hin, dass die derzeit beobachteten Klimaveränderungen zum größten Teil durch menschliche Aktivitäten verursacht werden, insbesondere durch die Nutzung fossiler Brennstoffe und durch die Auswirkungen der Landnutzung auf die Vegetationsdecke. Der für die nächsten Jahrzehnte prognostizierte Klimawandel beinhaltet Temperaturanstiege (die „globale Erwärmung“), den Anstieg des Meeresspiegels, Veränderungen der Niederschlagsverteilung und ein gehäuftes Auftreten von Extremereignissen, die lokal in ganz unterschiedlicher Stärke auftreten können. Alle diese Phänomene können sich auf die biologische Vielfalt auswirken. Tatsächlich ist der Klimawandel neben Lebensraumverlust und – degradation,  eine der größten Bedrohungen für die Vielfalt des Lebens auf der Erde.

Einige Beispiele:
  • Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass der Klimawandel eine wesentliche Ursache für die in neuerer Zeit großflächig aufgetretenen schweren Fälle von Korallenbleiche ist. Hierauf wurde von der Vertragsstaatenkonferenz bereits hingewiesen;
  • Viele Mangrovenwälder sind durch einen Meeresspiegelanstieg stark gefährdet;
  • Trockene und subhumide Gebiete sind in besonderem Maße durch Veränderungen der Niederschlagsverteilung gefährdet;
  • Feuchtgebiete auf Permafrostboden können durch das Abschmelzen des Eises stark beeinträchtigt werden.
Weitere Beispiele für die Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt sind Veränderungen im Verbreitungsgebiet von Arten und Veränderungen im Jahresrhythmus von Pflanzen oder im Verhalten von Zugvögeln. Da unterschiedliche Arten nicht in derselben Weise und Geschwindigkeit auf klimatische Veränderungen reagieren, kann sich die Zusammensetzung von Ökosystemen ändern, und funktionelle Wechselbeziehungen können gestört werden.
Wie der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimawandel (IPCC) bereits 1995 und in seinem neuesten Gutachten (2007) wiederholt feststellte, lässt sich allgemein sagen, dass der Klimawandel eine Reihe von Ökosystemen bedroht, die für Entwicklung und Wohlergehen der Menschheit entscheidend sind. Der IPCC geht sogar davon aus, dass 25-30 % der Arten weltweit aufgrund des Klimawandels aussterben werden.
Aktivitäten im Rahmen der CBD
In der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) wird im Rahmen der Zielfestsetzung bestätigt, dass es nötig ist, den Klimawandel zu verlangsamen, um Ökosystemen eine Möglichkeit zur Anpassung zu geben. Bei der Ausgestaltung von Maßnahmen auf der Grundlage der Biodiversitäts- und der Klimarahmenkonvention gibt es zahlreiche Möglichkeiten für ein positives Zusammenwirken. Maßnahmen wie der Schutz und die nachhaltige Nutzung von Wäldern und anderen Ökosystemen können einen gleichzeitigen Beitrag zu den Zielen beider Übereinkommen leisten. Auch vorbeugende Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels für den Menschen können mit positiven Effekten für die biologische Vielfalt verbunden sein. Ein Beispiel sind der Schutz oder die Wiederherstellung von Feuchtgebieten und von Wäldern am Oberlauf von Flüssen, durch die Hochwasserereignisse nach starken Regenfällen abgemildert werden können. Es sind jedoch auch Klimaschutzmaßnahmen denkbar, die negative Auswirkungen auf die Biodiversität befürchten lassen, wie etwa Erstaufforstungen in Savannen und natürlichem Grasland, die Umwandlung von Naturwäldern in Plantagen oder die Düngung nährstoffarmer Ökosysteme.
Die Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention hat zu einer verstärkten Zusammenarbeit mit der Klimarahmenkonvention (und der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung) aufgerufen, die unter anderem folgende Themen betreffen soll:
  • den Einfluss des Klimawandels auf die biologische Vielfalt, einschließlich der Biodiversität von Wäldern und Korallenriffen;
  • die Berücksichtigung von Biodiversitätsaspekten bei der Umsetzung der Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls.
Auf dem Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung (WSSD, 2002) unterstrichen die Regierungschefs die zentrale Bedeutung der Konvention über die Biologische Vielfalt und der Klimarahmenkonvention (UNFCCC), deren Ziele sich gegenseitig unterstützen müssen: Klimawandel stellt eine große Bedrohung für die biologische Vielfalt dar. Daher ist es wichtig, diesen Wandel zu minimieren und zu verlangsamen, damit die Arten, Lebensgemeinschaften und Ökosysteme möglichst viel Zeit haben, sich an die Veränderungen anzupassen (ein Ziel innerhalb der UNFCC). In diesem Zusammenhang wurde unter anderem auf der 7. VSK der CBD (VII/15) der wissenschaftliche Beirat (SBSTTA) gebeten, Synergien auf globaler, regionaler und nationaler Ebene zwischen den beiden so genannten “Rio Konventionen” herauszuarbeiten. Die Vertragsstaatenkonferenzen der UNFCC und der Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (United Nations Convention to Combat Desertification, UNCCD) wurden eingeladen mit der CBD zu kooperieren.
Im Hinblick auf den laufenden und sich weiter abzeichnenden Klimawandel gibt es im Rahmen einer G8 Initiative (siehe u.a. die Erklärung der Potsdam Initiative) die Bestrebung den Wert der biologischen Vielfalt zu schätzen, der bei dem antizipierten Klimawandel voraussichtlich verloren geht.
Im Beschluß IX/16 der neunten Vertragsstaatenkonferenz (Bonn, 2008) schlägt die Vertragsstaatenkonferenz vor, das Thema Klimawandel in alle Arbeitsprogramme zu integrieren. Hierbei wird u. a. explizit darauf hingewiesen folgende Punkte besonders zu beachten:(a) positive wie negative Auswirkungen von Klimaschutz- und –anpassungsmaßnahmen auf Ökosysteme, (b) besonders gefährdeten Komponenten der biologischen Vielfalt, (c) Risiken und Auswirkungen auf ökosystemare Dienstleistungen und dem Wohlbefinden der Menschen, (d) Bedrohungen und wahrscheinliche Auswirkungen des Klimawandels sowie die positiven wie negativen Auswirkungen von Klimaschutz- und –anpassungsmaßnahmen auf die biologische Vielfalt, insbesondere die daraus entstehenden Möglichkeiten für den Schutz und die nachhaltige Nutzung biologischer Vielfalt,(e) Monitoring der Bedrohungen und wahrscheinlichen Auswirkungen des Klimawandels und die positiven wie negativen Auswirkungen von Klimaschutz- und –anpassungsmaßnahmen auf Ökosysteme, (f) Angemessene Monitoring und Auswertungstechniken sowie die Unterstützung des damit zusammenhängenden Technologietransfers und der Wissensvermittlung innerhalb der Arbeitsprogramme,(g) Wichtige Erkenntnisse, die die Umsetzung unterstützen: Unter anderem der wissenschaftliche Forschung, durch die Nutzung von Daten, Nutzung angemessener Mess- und Monitoringtechniken sowie traditionelles Wissen, (h) Die Prinzipien des ökosystemare Ansatzes und das Vorsorgeprinzip.(i) Den Beitrag den die biologische Vielfalt bei der Anpassung an den Klimawandel leisten kann. Maßnahmen, die das Anpassungspotenzial verschiedener Element der biologischen Vielfalt verbessern können. Ferner wird die Bedeutung der Zusammenarbeit mit den anderen “Rio-Konventionen“ (Klimarahmenkonvention, Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung) betont.
Im Folgenden finden Sie einige Publikationen zum Thema Klimawandel mit Bezug zur CBD bzw. biologischen Vielfalt.
·         Biologische Vielfalt und Klimawandel: Gefahren, Chancen, Handlungsoptionen  Skript 148 (2006)
·         Biodiversität und Klima - Vernetzung der Akteure in Deutschland I. BfN 2004. Dateigröße: 1,3 MB.
·         Biodiversität und Klima - Vernetzung der Akteure in Deutschland II. BfN 2005. Dateigröße: 1,9 MB.
·         Biodiversität und Klima - Vernetzung der Akteure in Deutschland III. BfN 2006. Dateigröße: 1,9 MB.
·         Use of synergies between the Framework Convention of Climate Change and the Convention on Biological Diversity. (UBA 2001, 407 KB).
·         Climate Change & Biological Diversity UBA 2001, 45 KB.
·         European Expert Workshop Climate Protection and Conservation of Biodiversity. BfN/UBA 2002, 103 KB.
·         Zusammenfassung: Anforderungen des Klimaschutzes an die Qualität von Ökosystemen – Nutzung von Synergien zwischen der Klimarahmenkonvention und der Konvention über die biologische Vielfalt. (UBA 2001, PDF 110 KB)
·         Executive Summary: Requirements of climate protection with regard to the quality of ecosystems: Use of synergies between the Framework Convention of Climate Change and the Convention on Biological Diversity. (UBA 2001, PDF 400 KB)
 
 
Stand: Dezember 2008