Was hat die Vogelgrippe mit Taxonomie zu tun?
Die erste oberflächliche Antwort heisst natürlich: nichts! Die Vogelgrippe
scheint ein Problem zu sein, dass vor allem Mediziner und Tierärzte umtreibt
und selbstverständlich auch Geflügelzüchter. Vom Kleinbauern bis zum
Großbetrieb ist die massenhafte Keulung des Geflügels ein schwerer
wirtschaftlicher Schlag, der manche Existenz bedroht. Aber Taxonomen? Sind
das nicht die Leute die nur Vogelbälge abstauben und esoterische Daten
handschriftlich in abgegriffene Karteikarten eintragen?
Nein, so sind die Taxonomen nicht. Erstens benutzen sie Computer und die
Daten sind durch taxonomische Initiativen, wie GBIF (www.gbif.org) per
Internet auf der ganzen Welt abrufbar. Zweitens sitzen Taxonomen nicht nur
im Museum, sondern forschen global an oft sehr ungemütlichen Orten, wie das
frostige Sibirien oder das feucht-heisse Asien. Dabei spüren sie,
detailversessen wie ein Kriminalist, Lebewesen nach. Mit wem hat "meine Art"
Kontakt, was frisst sie und von wem wird sie gefressen? Wann und wo brütet
sie, und wann ist sie überhaupt wo zu finden? Dies alles gilt es durch
viele, einzelne Beobachtungen herauszufinden und ist biologische
Basiswissen, auf dem sich vieles aufbauen läßt. Mit der letzten Frage, nach
dem Wo ist die Art Wann, sind wir schon ganz direkt bei der
Vogelgrippe.
Denn Vögel sitzen nicht ihr ganzes Leben an einem Ort, sondern ziehen über
weite Strecken, oft über ganze Kontinente um den Jahreszeiten auszuweichen.
Am bekanntesten ist sicher der Vogelzug über den Bosporus und viele von uns
haben ihn schon im Urlaub bewundern können. Aber das ist nicht die einzige
Route, es gibt noch ganz andere Vogelzüge, auch in Ost-West-Richtung.
Deshalb kann uns die Vogelgrippe, die im Fernen Osten grassiert nicht egal
sein: der Ferne Osten ist für viele Zugvögel gar nicht so fern. Sie pendeln
regelmäßig zwischen ihren europäischen und asiatischen
Verbreitungsgebieten.
Woher wir das wissen? Ganz einfach: Taxonomen waren schon früh vom Vogelzug
fasziniert und haben versucht herauszufinden, wo sich ihre Lieblinge
herumtreiben. Das geschah durch die Beringung der Vögel. Ganz ohne Anwendung
und ohne wirtschaftlichen Nutzen, vielleicht etwas exzentrisch, konnte damit
in jahrzehntelanger Kleinarbeit die Wanderrouten der Vögel auf der Weltkarte
nachgezeichnet werden. Diese Daten sind übrigens in einer weltweiten
Initiative unter Beteiligung Deutschlands online abrufbar (www.groms.de).
Daher wissen wir von dem Ost-West-Zug vieler Vögel und daher wissen wir,
dass der Ferne Osten ganz nah ist. Damit auch die Vogelgrippe. Diese hat
also sehr viel mit Taxonomie zu tun.
Die Vogelgrippe ein sehr eindrucksvolles Beispiel dafür, wie biologisches
Basiswissen - oft gegen Widrigkeiten von einer weltweiten Gemeinschaft von
Taxonomen erarbeitet - in einer immer kleiner werdenden Welt über Nacht
extrem wichtig wird. Ohne die detektivische Kleinarbeit der letzten
Jahrzehnte - über Nacht ließe sich der Vogelzug nicht erfassen! - könnten
wir die Bedeutung der asiatischen Vogelgrippe für uns nicht richtig
einschätzen. Wir wären nicht in der Lage angemessen zu reagieren.
Taxonomie ist oft langwierig, aber immer faszinierend und ihre Resultate
werden - oft über Nacht - extrem wichtig!
Fallgeschichte von Fabian Haas, Januar 2006
Dazu auch folgende Pressemeldung
Turkey sits at major crossroads for migratory birds Turkish Press , 06
January 2006
ANKARA - Turkey, where two teenagers have died from bird flu in the first
such fatalities outside Southeast Asia and China, is crossed by three major
routes used by migratory birds blamed for the spread of the epidemic.
| Release date |
16/01/2006 |
| Contributor |
FabianHaas
|
| Geographical coverage |
Germany, Deutschland, Turkey, Turkei, Naher Osten, Asien, Asia minor, Europe, EuropaAsia |
| Keywords |
Vogelzug |
| Concerned URL |
http://www.gti-kontaktstelle.de/
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| Source |
Nationale GTI Kontakstelle |