Biodiversität der Binnengewässer
| Release date |
31/07/2011 |
| Contributor |
freibergh
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Bedeutung
Binnengewässersysteme können von Süß- oder Salzwasser geprägt sein und sich auf Kontinenten oder Inseln befinden. Zu ihnen rechnet man Seen, Flüsse, Teiche, Bäche, Grundwasser, Quellen, Gewässer in Höhlen und Flussauen ebenso wie Hochmoore, Niedermoore und andere Feuchtgebiete, die herkömmlich als Feuchtgebiete des Binnenlands zusammengefasst werden. Die Biodiversität von Binnengewässern liefert dem Menschen Nahrung, Einkommen und Lebensunterhalt. Zu den weiteren ökosystemaren Dienstleistungen dieser Systeme gehören: Wasserversorgung, Energieproduktion, Transport, Erholung und Tourismus, Erhaltung des hydrologischen Gleichgewichts, das Zurückhalten von Sediment und Nährstoffen, und die Bereitstellung von Habitaten für viele Tier- und Pflanzenarten.
Situation, Entwicklungstendenzen und Ursachen des Biodiversitätsverlusts
Die Ökosysteme der Binnengewässer wurden vom Menschen oft tiefgreifend umgestaltet, mehr noch als die marinen oder terrestrischen Systeme. Obwohl sich in Europa dank verbesserter Gewässerreinhaltung einige Binnengewässer wieder erholt haben und bestimmte Arten in ihrem Bestand wieder zunehmen, gehören Binnengewässer weltweit zu den am stärksten bedrohten Ökosystemtypen. Hauptursachen für die Gefährdung dieser Ökosysteme und der mit ihnen verbundenen biologischen Ressourcen sind Eingriffe in die Gestalt der Gewässer, Verlust und Degradation von Habitaten, Wasserentzug, Übernutzung, Verschmutzung und das Einbringen invasiver gebietsfremder Arten. Mehr als 40 % der Weltbevölkerung leben in Flusseinzugsgebieten mit Wasserknappheit. Mehr als 20 % der 10 000 Süßwasserfischarten der Erde sind in den letzten Jahrzehnten ausgestorben oder gelten inzwischen als bedroht oder gefährdet.
Wie das Thema unter der Biodiversitätskonvention behandelt wird
Binnengewässern wurden auf der vierten Vertragsstaatenkonferenz (1998 in Bratislava) als eigenes Themengebiet für die Konvention aufgegriffen. Das Binnengewässerprogramm der Konvention fordert ein ganzheitliches Management von Wassereinzugsgebieten als den besten Weg, um konkurrierende Nutzungsansprüche angesichts der schwindenden Binnenwasservorräte miteinander zu vereinbaren. Das Programm benennt die Maßnahmen, die von den Vertragsstaaten ergriffen werden müssen, um den fortschreitenden Verlust an Biodiversität aufzuhalten. Dazu gehören die Überwachung, Bewertung und Evaluation der biologischen Vielfalt von Binnenwasserökosystemen, die Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen für Projekte zur wirtschaftlichen Nutzung von Gewässern, die Entwicklung von Strategien, um Gewässerverschmutzung unter Auswahl und Einsatz geeigneter Technologien zu verhindern, und die Förderung von grenzüberschreitender Zusammenarbeit sowie die Einbindung ortsansässiger und indigener Gemeinschaften in das Management von Ökosystemen.
Das Arbeitsprogramm zur Biodiversität von Binnengewässerökosystemen befürwortet das Management von Wassereinzugsgebieten, angemessene Technologien, Forschung, Überwachung und Bewertung, und die Zusammenarbeit mit anderen Konventionen und Organisationen durch Gemeinsame Arbeitsprogramme (z.B. Ramsar Konvention, Bonner Konvention/CMS).
In den bei der zehnten Vertragsstaatenkonferenz (2010 in Nagoya) formulierten Zielen des Strategischen Plans (bis 2020) gibt es direkte Bezüge zu Binnengewässern, z.B. in Ziel 8, wo gefordert wird, die Verschmutzung u.a, durch Nährstoffeinträge auf ein nicht schädliches Maß zu reduzieren. Verschmutzung ist für viele Binnengewässer eine der Hauptursachen des Biodiversitätsverlusts. In Ziel 14 wird gefordert, dass Ökosysteme, die Dienstleistungen stellen, restauriert und geschützt werden. Dabei werden die wasserbezogenen Dienstleistungen explizit herausgestellt.
Auf europäischer Ebene spielen die Wasserrahmenrichtlinie, die Europäische Vogelschutzrichtlinie sowie die Fauna, Flora, Habitatrichtline (FFH-Richtlinie) eine wichtige Rolle für den Schutz der Biodiversität von Binnengewässern.
Weitere Informationen finden Sie auf der Themenseite "Inland Waters Biodiversity" beim Sekretariat des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD).
Stand: Juli 2011
Autoren: Dr. Axel Paulsch und BfN