HTML Document Biodiversität von trockenen und subhumiden Gebiete

Release date 31/07/2011
Contributor freibergh

Hintergrund und Situation
Innerhalb der CBD werden sowohl hyperaride, aride, semiaride und sub-humide Gebiete als Trockengebiete verstanden. Das bedeutet, dass eine große Bandbreite unterschiedlicher Ökosysteme wie Trockenwälder, Savannen, Wüsten und Halbwüsten, Steppen, Trockengebüsche sowie Ökosysteme der Mittelmeerregion und der Kapregion in Südafrika innerhalb dieses Themenschwerpunktes behandelt werden. Über 2 Milliarden Menschen (35% der Weltbevölkerung) leben in Trockengebieten. Trockengebiete beherbergen zudem viele hoch spezialisierte und an extreme Bedingungen angepasste Arten und viele wichtige Nutzpflanzen haben ihren Ursprung in Trockengebieten. Innerhalb von Trockengebieten stellen kleine Feuchtgebiete wichtige „Inseln“ oder „Trittsteine“ dar, die gerade für Zugvögel von großer Bedeutung sind. Das Hauptproblem für Trockengebiete ist die Landdegradation, die bis zur Wüstenbildung führen kann. Eine unsachgemäße Landwirtschaft bzw. Landnutzung sowie die Auswirkungen des Klimawandels führen zu einer Verschlechterung der Bodenqualität durch Erosion, Überweidung, Brennholznutzung, Austrocknung etc.

  • Habitatzerstörung: Die häufigste Ursache für Habitatzerstörung ist die Umwandlung ungenutzter Bereiche in landwirtschaftliche Flächen (Acker- oder Weideland). Bei armen Böden oder im Zusammenhang mit fehlendem Boden- oder Wassermanagement kann es zu starken Degradationserscheinungen kommen (Erosion, Humusverlust, Versalzung). Im Mittelmeerraum sind zudem vor allem der Bau von Straßen, touristische Nutzung und industrielle Infrastruktur ein weiterer Grund für den Habitatverlust.
  • Überweidung: Wildtiere und Vieh haben durch Beweidung, Verbiss und Tritt Auswirkungen auf Trockengebiete. Selektives Fressen bzw. Abweiden, erhöhter Viehbesatz bzw. Beweidungsintensität sowie die Nährstoffrückfuhr über Exkremente führen zu sich verändernden Artenzusammensetzungen in der Vegetation. Sowohl Über- als auch zu geringe Beweidung kann negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt und Ökosystemstabilität haben. Insbesondere die Überbeweidung ist ein wachsendes Problem.
  • Invasive gebietsfremde Arten: Neue Pflanzensorten oder Tierrassen können starke Veränderungen in Trockengebieten bewirken. Die Verdrängung traditionell angebauter Arten (z.B. Hirse oder Millet) durch andere (z.B. Mais) oder die Verwendung ertragsoptimierter aber oftmals anfälligerer oder anspruchsvollerer Sorten führen zu Artenverarmung und zur genetischen Verarmung der Nutzpflanzen sowie zu einem Artenrückgang in der Begleitvegetation. In diesem Zusammenhang ist das Ausbringen gebietsfremder Gräser oder Schmetterlingsblütler auf Wiesen und Weiden besonders bedeutend. Invasive gebietsfremde Arten haben einen negativen verdrängenden Effekt auf die heimischen Artengemeinschaften. Auch können eingeschleppte verwilderte Tierarten wie Kaninchen zu einer Überbeweidung führen.
  • Veränderungen im Feuerrhythmus: Natürlicherweise kommt es in vielen Trockengebieten zu regelmäßigen Bränden. Wird dieser Rhythmus gestört (zuviel oder zuwenig Brände), kann es zu deutlichen Veränderungen in der Artenabundanz oder Artenzusammensetzung der Vegetation kommen und häufig ist ein Rückgang der Biologischen Vielfalt die Folge.
  • Wasser: Da das Wasser als limitierender Faktor in Trockengebieten wirkt, können Veränderungen des Wasserangebots (Brunnen, Bewässerung) einen deutlichen Einfluss auf die Biologische Vielfalt haben.
  • Bodenmanagement: Böden in Trockengebieten sind besonders anfällig für Erosion. Wird die natürliche Vegetationsdecke durch Übernutzung (Beweidung, Ackerbau, Düngung, Feuer) zerstört, so sind die Effekte in Trockengebieten umso stärker.
  • Nichtnachhaltige Ressourcennutzung: Übermäßige Brennholznutzung, exzessives Sammeln/Ernten wilder Pflanzen sowie hohe Bejagung haben jeweils direkte negative Auswirkungen auf die Diversität von Trockengebieten.
  • Klimawandel: Langzeitveränderungen in Temperatur und Niederschlägen können gravierende Auswirkungen auf die Diversität von Trockengebieten haben.


Anstrengungen im Rahmen der CBD

Die 5. Vertragsstaatenkonferenz verabschiedete im Jahr 2000 ein "Arbeitsprogramm über Trockene und Subhumide Gebiete" (Entscheidung V/23, Abs. 1,2). Dieses umfasst hyperaride, aride, semiaride und trockene sub-humide Gebiete –also Wüsten, Savannen, Steppen, den Mittelmeerraum und die Kapprovinz (Süd Afrika). Das Arbeitsprogramm soll in enger Zusammenarbeit mit der Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD) umgesetzt werden. Unter beiden Konventionen sind die Staaten aufgefordert, in ihre jeweiligen nationalen Strategien Pläne zum Wassermanagement aufzunehmen und dabei auch mit Nachbarstaaten zusammen zu arbeiten, da z.B. Flüsse oder Seen oft auch Staatsgrenzen bilden oder mehrere Staaten im Einzugsgebiet desselben Gewässers liegen.
Selbstverständlich bezieht sich das siebte Ziel des 2010 neu beschlossenen Strategischen Plans der CBD, bis 2020 Landwirtschaft nur noch nachhaltig durchzuführen, auch auf Trockengebiete, da in diesen eine nicht nachhaltige Nutzung besonders schnell zu irreversiblen Schäden führen kann.

Weitere Informationen finden Sie auf der Themenseite "Dry and subhumid lands" beim Sekretariat des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD).

Stand: Juli 2011
Autoren: Dr. Axel Paulsch und BfN