HTML Document Globale Taxonomie-Initiative

Release date 21/07/2011
Contributor freibergh

Hintergrund
Die Taxonomie ist das Teilgebiet der Biologie, das sich mit der Entdeckung, Beschreibung und Benennung neuer Arten und ihrer sinnvollen Einordnung in das System der bereits bekannten Arten beschäftigt.

Im Rahmen des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt haben die Regierungen der Vertragsstaaten bestätigt, dass Wissenslücken in unserem taxonomischen System (einschließlich der Wissenslücken im genetischen Bereich) bestehen und es einen Mangel an ausgebildeten Taxonomen und Kuratoren gibt. Mit anderen Worten: es gibt zu viele noch unbekannte Arten, und zu wenige Fachleute, die in der Lage sind, bereits bekannte Arten zu identifizieren, neu entdeckte wissenschaftlich zu beschreiben und biologische Sammlungen zu betreuen.

Das taxonomische Wissen bildet die Grundlage dafür, die biologische Vielfalt zu bewahren, nachhaltig zu nutzen und die aus der Nutzung der genetischen Ressourcen resultierenden Vorteile miteinander zu teilen. Damit bildet sie auch gleichzeitig die Basis für alle anderen Arbeitsprogramme der CBD. Ziel der Globalen Taxonomie-Initiative (GTI) ist es, die beschriebenen Probleme der Taxonomie weltweit zu beseitigen oder zu verringern.

Die GTI wurde von der Vertragsstaatenkonferenz ins Leben gerufen, um gegen den in vielen Teilen der Welt bestehenden Mangel an verfügbarer taxonomischer Information und Fachkenntnis anzugehen und so eine verbesserte Entscheidungsfindung in Fragen des Schutzes und der nachhaltigen Nutzung, sowie bei der gerechten Verteilung der Vorteile aus der Nutzung genetischer Ressourcen, zu ermöglichen. Insbesondere soll die GTI die Umsetzung der Arbeitsprogramme der Konvention zu thematischen Schwerpunkten und Querschnittsthemen unterstützen. Angesichts der vielen konkurrierenden Anfragen bezüglich des Aufbaus von Kapazitäten auf dem Gebiet der Taxonomie müssen Aktivitäten im Rahmen der GTI einen klaren Bezug zur Umsetzung der Konvention aufweisen.

Aktuelle Entwicklungen im Bereich der Globalen Taxonomie-Initiative
Das Arbeitsprogramm für die Globale Taxonomie-Initiative, das auf der 6. Vertragsstaatenkonferenz im April 2002 verabschiedet wurde, umfasste eine Reihe von Entwürfen für geplante Aktivitäten, die fünf Arbeitszielen zugeordnet waren (s. Entscheidung VI/8). Das erste Ziel war die Analyse der vorhandenen Kapazitäten im taxonomischen Bereich und des Bedarfs für einen weiteren Ausbau von Kapazitäten auf nationaler, regionaler und weltweiter Ebene. Als zweites sollten durch Ausbildungsprogramme und Verbesserung der Infrastruktur, zum Beispiel anhand des Aufbaus von regionalen und nationalen taxonomischen Referenzsammlungen, gezielt neue Kapazitäten geschaffen werden. Ein weiteres Ziel des Arbeitsprogramms war die Förderung des Austauschs von taxonomischen Informationen, wobei besonders darauf zu achten ist, dass Ursprungsländer von biologischen Sammlungen Zugang zu den Informationen erhalten, die aus diesen Sammlungen gewonnen wurden. Die letzten beiden Gruppen von Aktivitäten haben zum Ziel, besonders wichtige Forschungsbereiche für die erfolgreiche Durchführung der thematischen Arbeitsprogramme und der Arbeit zu den Querschnittsthemen der Konvention festzulegen.

Für die Umsetzung des Arbeitsprogramms ist eine enge Zusammenarbeit mit anderen Initiativen wie dem globalen Informationsnetz zur biologischen Vielfalt (Global Biodiversity Information Facility), dem Forschungsförderprogramm Diversitas oder dem weltweiten Taxonomie-Netzwerk BioNET-INTERNATIONAL nötig.

Bei der 8. VSK (2006) wurde  die bisherige Umsetzung des Arbeitsprogramms überprüft (Entscheidung VIII/3) und bei VSK 9 (2008) eine Liste zu liefernder Ergebnisse und Produkte angenommen.
Die Entscheidung 10. VSK (2010, Entscheidung X/39) hält fest, dass der Taxonomenmangel nach wie vor besteht und die nationalen Bedarfsanalysen für die taxonomische Aufarbeitung bestimmter Organismengruppen wenig Fortschritte gemacht haben.
Der Beschluss fordert auch dazu auf, eine Capacity-Building Strategie für die GTI insgesamt zu erarbeiten. Der wissenschaftliche Beirat der CBD (SBSTTA) hat diesen Punkt in seine Beratungen aufgenommen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Themenseite "Global Taxonomy Initiative" beim Sekretariat des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) und auf der Seite des deutschen Focalpoints der GTI.


Stand: Juli 2011
Dr. Axel Paulsch und BfN